Crossmediales Publizieren · Nr. 3/2009

Informationen und Tipps zum Electronic Publishing und zur Anwendung von XML

 

Editorial

„Gut Ding will Weile haben“ – dies gilt nicht nur für die Alltagswelt meiner Großmutter, der der Spruch entstammt, sondern auch für größere Projekte, die ggf. keine anderen Projekte neben sich dulden ...
Aber nun melden wir uns mit einer neuen Ausgabe zurück, die einige sehr spannende Themen kennt wie z.B. den Fall Amazon, der Fragen des DRM aufwirft, und die Öffnung von MS Office für Open-Source-Datenformate. Wir können auch von einem sehr spannenden Redaktionsprojekt berichten und blicken zurück auf das Publishers Forum 2009. Den Abschluss bildet diesmal eine Rezension zum Thema Marketing in Communities.
Noch ein Hinweis in Kürze: Im aktuellen Heft der Zeitschrift iX sind eine Übersicht zu XML-Editoren und ein Vergleich von XSL-FO-Renderingsystemen enthalten!

Bitte beachten Sie auch unsere aktuellen Seminartermine!

Ihre Ursula Welsch

 

Inhalte
–  Aktuell:
    E-Books und das Nutzungsrecht – der Fall Amazon
–  Datenformate:
    Microsoft erweitert sein Portfolio um ODF
–  XML-Produktion:
    Einsatz von XML bei Autoren und Lektoren (Susanne Franz)
–  Konferenz:
    Rückblick aufs Publishers Forum 2009 (Ingrid Schmidt Goldstein)
–  Buchrezension:
    „Marketing in Netzwerken“ (Yvonne de Andres)

 

Seminartermine der XML-Schule:
     25.–26.08.2009 Praktische XML-Grundlagen für Verlage und Vorstufenbetriebe
     27.–28.08.2009 Effektive XML-Workflows mit Adobe InDesign (CS3)
     20.–21.08.2009 XML im Microsoft Office-Umfeld
     07.–08.09.2009 XML-basierte Strukturkonzepte für die Mehrfachverwertung
     14.–15.09.2009 Redaktion von XML-Dokumenten
     01.–02.09.2009 Einführung in die Transformation mit XSLT
     03.–04.09.2009 XML-basierte Satzerstellung mit XSL-FO

 

<<<<< Aktuelles: >>>>>
E-Books und das Nutzungsrecht – der Fall Amazon

„Amazon löscht bereits gekaufte (digitale) Bücher“ – Diese Meldung sorgte in diesen Tagen nicht nur in der Branchenpresse für Aufregung. Fakt ist: Amazon hat ohne vorherige Information legal erworbene E-Books von den Kindles seiner Kunden löschen lassen und den Kaufpreis zurückerstattet. Der Grund: Das Copyright der betroffenen Titel lag nicht bei dem Verlag, der sie an Amazon geliefert hat. Verrückt ist, dass unter den gelöschten Titeln ausgerechnet „1984“ von George Orwell war.
Technisch möglich ist dieses Vorgehen, weil die bei Amazon erworbenen E-Books für den Kindle-Reader mittels Digital Rights Management (DRM) geschützt sind. Das heisst, dass die Daten des Käufers zusammen mit Angaben über das erworbene Werk und die erworbene Lizenz in einem DRM-Server gespeichert und die heruntergeladenen E-Books auf die Hardware des Käufers verschlüsselt werden. Die Lizenz – also die Erlaubnis, das E-Book zu nutzen – wird dabei immer wieder überprüft, wenn die Hardware online zu erreichen ist. Amazon nutzt dafür wohl den DRM-Server der Amazon-eigenen Firma Mobipocket. Aber auch der DRM-Server von Adobe, der für PDF- und epub-Dateien benutzt wird, funktioniert auf diese Weise.
In letzter Konsequenz bedeutet dies, dass man als Käufer von DRM-geschützten E-Books nicht die letzte Entscheidung darüber hat, ob man sich von einem legal erworbenen Inhalt trennen möchte oder nicht, wenn sich nachträglich rechtliche Auseinandersetzungen ergeben. Das wirft ein Schlaglicht darauf, dass für das neue Medium „E-Book“ nicht nur Regelungsbedarf hinsichtlich der technischen Standards oder der Dateiformate besteht, sondern dass auch die Eigentumsrechte der "Buchkäufer" verbindlich geklärt werden müssen.
Zum Nachlesen: der
Artikel im Spiegel.

 

<<<<< Datenformate: >>>>>
Microsoft erweitert sein Portfolio um ODF

Es kommt einer kleinen Revolution gleich, dass seit der Veröffentlichung des Service Pack 2 (SP2) für Microsoft Office 2007 Dokumente der Open-Office-Suite (ODF-Version 1.1) direkt in Word (*.odt), Excel (*.ods) und PowerPoint (*.odp) geöffnet, bearbeitet und gespeichert werden können. Darüber hinaus lassen sich diese Formate auch als Standarddateiformat in Microsoft Office festlegen.
Das Open Document Format (ODF) ist ein XML-basiertes, gepacktes Dateiformat, das seit 2006 als ISO-Standard anerkannt und in der kostenlosen
Open-Office-Suite implementiert ist. In Open Office konnten schon von Anfang an Microsoft Office-Dokumente geöffnet, bearbeitet und wieder gespeichert werden.
Das Service Pack 2 kann von der Microsoft-Website heruntergeladen werden.
Wer sich über die Nutzungsmöglichkeiten dieser Integration für die Datenübernahme in XML oder für das „Roundtripping“ Word2XML2Word weiter informieren will, kann Kontakt zu unserem Spezialisten Willi Breitwieser aufnehmen oder sein Seminar XML im Microsoft Office-Umfeld besuchen; Anmeldung über XML-Schule.

 

<<<<< XML-Produktion: >>>>>
Einsatz von XML bei Autoren und Lektoren (Susanne Franz)

Zunächst überwog die Skepsis, aber im Endeffekt funktionierte es gut: die Realisierung eines größeren Wörterbuchprojekts in XML mit Autoren und Fachlektoren, die anfangs wenig bis keine XML-Kenntnisse hatten. Eine Voraussetzung für das Gelingen war, dass das Team auf die konkreten technischen Anforderungen gezielt vorbereitet wurde und dass die Workflowplanung die Redakteure nur mit den Details konfrontierte, die für ihre Arbeit unmittelbare Bedeutung hatten.
Bei einem Schulungstag wurde das Knowhow vermittelt, das für das korrekte Bearbeiten der XML-Daten notwendig war. Ein Thema war die XML-Struktur, die nicht nur mit ihren technischen Implikationen, sondern auch mit ihren redaktionellen Erfordernissen ausführlich vorgestellt wurde. Darüber hinaus wurde die Handhabung des ausgewählten XML-Editors
epcEdit vorgestellt und eingeübt. Teammitglieder, die bereits mit XML gearbeitet hatten und über einen eigenen XML-Editor verfügten, konnten natürlich diesen benutzen.
Der Vorteil von epcEdit im redaktionellen Umfeld liegt darin, dass – ähnlich wie bei den Marktführern XMetaL und ArborText Editor – die XML-Elemente über ein internes Stylesheet für die Bildschirmdarstellung formatiert werden können. Dadurch lasst sich die XML-Datei optisch so aufbereiten, dass sie "Word-like" aussieht und die Orientierung im Dokument leichter ist. Darüber hinaus ist der Download des Programms mittlerweile kostenlos (siehe Ausgabe August 08 des Newsletters „Crossmediales Publizieren“) und zusätzlich ein Tool zur Eingabe von Sonderzeichen erhältlich.
Im weiteren Verlauf des Projekts hat sich diese intensive Vorbereitung bewährt: Alle Redakteure konnten nach der Schulung ohne weiteres mit der Arbeit beginnen. Unsicherheiten, die sich in der Praxis gelegentlich ergeben haben, wurden über eine direkte "Hotline" zur Projektleitung schnell geklärt. Bleibt die Frage nach der Qualitätssicherung, die auf zweifachem Weg durchgeführt wurde: Zum einen haben mehrere XSLT-Prüfroutinen fehlende Angaben und strukturelle Fehler lokalisiert. Und zum anderen wurden die XML-Daten in ein Word-Dokument umgesetzt, das den Redakteuren „den gewohnten Blick“ auf ihre Arbeit ermöglichte.
Weiteren Erfahrungsaustausch bietet Ihnen das Seminar „Redaktion von XML-Dokumenten“; Anmeldung über XML-Schule.

 

<<<<< Konferenz: >>>>>
Publishers Forum 2009 – ein Rückblick (Ingrid Schmidt Goldstein)

190 Teilnehmer, spannende Diskussionen rund um die Themen Digitalisierung und Umbruch in allen Bereichen der Verlagsbranche, das alles eingebettet in eine positive Aufbruchstimmung: So lässt sich das 6. Publishers Forum in Berlin „from editorial to market“ im Rückblick wohl am besten charakterisieren. Eine der wichtigsten Triebfedern dieses Aufbruchs ist der E-Book-Markt, der mit den neuen Lesegeräten beständig wächst und das vor allem im Bereich der Belletristik. Eine ganz neue Generation von Lesern bestimmt zunehmend den Markt, Leser, die gleichzeitig als versierte Internetbenutzer mit digitaler Information ganz selbstverständlich umzugehen wissen und an digitale Produkte neue, sich ständig veränderne Anforderungen stellen.
Vor diesem Hintergrund tut es not, dass die Verlagsbranche Bücher nicht mehr nur als Objekte, sondern zunehmend als Erfahrungen versteht, die unabhängig vom Medium gemacht werden können. Die Inhalte sind wichtiger als das Medium. Sie lassen sich im digitalen Zeitalter immer neu und immer anders verknüpfen und damit auch vielfältig nutzen. Dieser Entwicklung, die nicht länger ignoriert werden kann ohne mittelfristig wirtschaftlichen Schaden zu nehmen, muss durch neue Arbeitsabläufe Rechnung getragen werden. Auch neue Geschäftsmodelle müssen sich den Weg in die Verlagsbranche bahnen. Eine spannende Herausforderung, die es heute anzunehmen gilt.
Die Vorträge sind
online einzusehen. Mit der Autorin dieses Beitrags können Sie per E-Mail gerne diskutieren!

 

<<<<< Buchrezension: >>>>>
„Marketing in Netzwerken“ (Yvonne de Andres)

Der Sammelband „Community Marketing“ bietet eine erste Übersicht über die vielfältigen Marketing-Potenziale von Communities für Unternehmen. In einem ersten Teil des Buchs bieten umfassende Artikel einen theoretischen Einstieg in das Thema. Tenor ist, dass sich die Kommunikationsinstrumente von Unternehmen fundamental und unwiderruflich verändern. Auch das Kundenverhalten ist in einem Wandel begriffen. Ohne Übertreibung kann gesagt werden, dass wir in ein neues Zeitalter des Marketing eingetreten sind: Der Kunde selbst wird zum integralen Bestandteil des Marketing.
Der zweite Teil des Buchs veranschaulicht in Fallstudien die Anwendung von Community Marketing bei Unternehmen wie Microsoft Deutschland, Adidas, EnBW, ebay und anderen. Interessant ist dabei, welche Erfahrungen gemacht wurden und welche unterschiedlichen Schwerpunkte die einzelnen Firmen gesetzt haben. In den meisten Fällen hat tatsächlich eine verstärkte Integration der Kunden in die Wertschöpfungskette stattgefunden.
Das Buch zeigt insgesamt auf, welche Chancen das Community Marketing bieten kann. Die neuen Potenziale können aber nur dann erschlossen werden, wenn Unternehmen den grundlegenden Wandel der Marketing Welt verstehen.
Helge Kaul, Cary Steinmann (Hrsg.): Community Marketing. Wie Unternehmen in Sozialen Netzwerken Werte schaffen, Verlag Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2008, ISBN 978-3791027579, 39,95 Euro

 

Impressum
Ursula Welsch
Tachenseestr. 2
D-83373 Taching am See
Tel. +49-(0)8681-47 18 52
E-Mail: ursula.welsch @ welschmedien.de
Dies ist der monatliche Newsletter von <ursula welsch.neue medien> und der XML-Schule.
Im Newsletter „Crossmediales Publizieren“ berichten wir für Sie über neueste Entwicklungen und Erfahrungen aus der crossmedialen Verlagspraxis und weisen auf die aktuellen Termine der XML-Schule hin.
Dieser Newsletter darf als Ganzes jederzeit weiter verteilt werden. Sollten Sie Auszüge daraus übernehmen wollen, ist aus urheberrechtlichen Gründen eine gesonderte Genehmigung erforderlich.
Unser Newsletter-Archiv finden Sie sowohl unter <ursula welsch.neue medien> als auch unter XML-Schule.
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